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TU Berlin

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Geschichte der Fernmeldetechnik und Nachrichtentechnik an der TH/TU Berlin

Auf diesen Seiten finden sich Aufsätze und Biographien zur Geschichte der Nachrichtentechnik (PDF, 680,5 KB), sie sollen die Entstehungsgeschichte der Elektroechnik u. Nachrichtentechnik insbesondere an der TH Berlin näher bringen. Die geschichtliche Entwicklung der TU Berlin ist hier zusammengefasst. Es existiert außerdem ein Verzeichnis bedeutsamer Persönlichkeiten.

Vielen Dank an Herrn Prof. Dr.-Ing. Peter Noll für die Ausarbeitung und Betreuung der Texte.





Fernmeldetechnik an der TH/TU Berlin

Die Königliche Technische Hochschule zu Berlin, im folgenden nur TH Berlin genannt, entstand im Jahr 1879 durch den Zusammenschluss von zwei Institutionen, der Königlichen Bauakademie mit dem Gründungsjahr 1799, und der Gewerbeakademie mit dem Gründungsjahr 1821. Zu dieser Zeit war die elektrische Schwachstromtechnik (sie hieß damals noch nicht so) bereits etabliert, S. Morse hatte 1837 seinen Telegrafenapparat zum Patent angemeldet, Siemens hatte 1847 mit Johann Georg Halske in Berlin die Telegraphenbauanstalt gegründet.


1879, also im Gründungsjahr der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin, regte Siemens in einem Brief an den Generalpostmeister von Stephan die Gründung eines "Deutschen Vereins für Elektrotechnik" an; es wurde der Elektrotechnische Verein (ETV) gegründet. In diesem Brief sagt Siemens über die Telegraphie, dass sie

"schon in etwas ruhige Fortschrittsbahnen eingelenkt ist und das aristokratisch- konservative Element der Elektrotechnik repräsentiert".

In der Tat, die Telegraphie war bereits weltweit zum ersten großtechnischen Anwendungsgebiet geworden. Lit-Hinweis. Die „ruhigen Fortschrittsbahnen“ wiesen darauf hin, dass die mit damaliger Technologie realisierbaren Grenzen der elektrischen Telegrafie fast erreicht und Standards und Protokolle für den Datenaustausch entwickelt waren. Die Telegrafie hatte schon frühe Triumphe gefeiert, so entstand 1870, von den Gebrüdern Siemens (Berlin und London) gebaut, die 11000 km lange „Indo-Europäische Telegraphenlinie“ von London nach Kalkutta. Diese Telegraphenlinie hatte erstmals gezeigt, dass eine weltumspannende elektrische Kommunikation realisierbar sein könnte, für einen weiteren Innovationsschritt fehlten seinerzeit aber Verstärker und Verfahren der Mehrfachausnutzung von Übertragungsmedien, die erst nach Erfindung der Elektronenröhre (1910) eingesetzt werden konnten. Verbindungen waren daher fast ausschließlich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, eine automatische Vermittlungstechnik mit Wahlmöglichkeiten durch die Teilnehmer war noch nicht bekannt, und die „Endgeräte“ (Morseschreiber und -Empfänger) hatten keine einfache „Bedienoberfläche“, daher war geschultes Personal zur Bedienung erforderlich.

Dr. Wilhem Brix

An der Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin gab es bereits ab 1881 Vorlesungen über die Elektrische Telegraphie, gelesen von dem Geheimen Regierungsrat Dr. Wilhelm Brix. Dr. Brix war bereits seit 1853 Herausgeber einer vom Deutsch-Österreichischen Telegraphen-Verein herausgegebenen Zeitschrift gewesen und hatte sich ab1876 als Bevollmächtigter des Kaiserlichen General-Telegraphenamtes große Verdienste um den Ausbau der deutschen Telegrafieverbindungen erworben. Er hatte schon ab 1863 als Dozent für Elektrische Telegrafie an der Berliner Bauakademie gelehrt, die 1879 in die TH Berlin aufgegangen war. Brix war vermutlich der erste Dozent für elektrische Telegraphie in Deutschland - aber auch für Elektrotechnik.

Prof. Dr. Adolf Slaby

Als Brix 1882 seine Vorlesungstätigkeit an der TH Berlin beendete, übernahm Prof. Dr. Adolf Slaby diese Vorlesung über elektrische Telegraphie (1883). Zusätzlich las er über Elektrische Kraftmaschinen (Titel: Elektromechanik). Auch Slaby hatte an der Bauakademie gelehrt NEIN. Eine Siemenssche Anregung führte 1884 zur Schaffung eines Elektrotechnischen Laboratoriums an der TH Berlin, mit der Errichtung wurde Slaby betraut. 1886 erhielt er dann eine ordentliche Professur für Theoretische Maschinenlehre und Elektrotechnik, ihm wurde das Lehrgebiet Elektrotechnik übertragen.

Pionierarbeiten in der Frühphase der Funktechnik

Slabys Bedeutung für die Elektrotechnik geht über diese Pionierarbeiten, über die noch berichtet werden wird, weit hinaus - er trug auch wesentlich zur Popularisierung der Elektrotechnik bei. So war er seit 1895 Berater von Kaiser Wilhelm II., der ihn insbesondere wegen seiner didaktischen Fähigkeiten außerordentlich schätzte. Kaiser Wilhelm II. besuchte mit seinem Gefolge in der TH mehrfach Vorlesungen über die neuesten Entwicklungen und Erfindungen auf dem Gebiet der Technik, insbesondere über Funkentelegrafie und Drahtloses Fernsprechen.

Darüber hinaus trug Slaby zur Gleichstellung der Technischen Hochchulen mit Universitäten und zur gesellschaftlichen Anerkennung der Ingenieure bei. Man sagt Slaby (positive) Einflußnahme bei der Erteilung des Promotions- und Habilitationsrechts für die Preußischen Technischen Hochschulen nach (1899).
Slaby war Gründungsmitglied des Elektrotechnischen Vereins (1879), Vorsitzender des VDI und erster Vorsitzender des VDE (1893). Auch wurden durch ihn sehr früh Verbindungen zwischen der akademischen Welt und ihrer Hochschulforschung und der industriellen Praxis hergestellt.

Prof. Dr. Karl Strecker

Professor Slaby wurde also 1886 das Lehrgebiet Elektrotechnik übertrage, von dem wurde dann 1892 das Gebiet Elektrotelegraphie (besonders für Eisenbahnbetrieb) abgespalten und dem Obertelegrapheningenieur Karl Strecker, dem späteren Präsidenten des Telegraphenversuchamts, als Kolleg überwiesen.


Zwei Fachgebiete bildeten seit der Jahrhundertwende die Nachrichtentechnik,

die Telegraphie
und die Funktentelegraphie

Die Telegraphie entwickelte sich zur Fernmeldetechnik und die Funkentelegraphie zur Hochfrequenztechnik. Der Begriff Fernmeldetechnik wurde von Dr. Rudolf Franke geprägt (siehe unten), das Vorlesungsverzeichnis des WS 1911/1912 nennt erstmalig eine VL "Fernmeldtechnik". Seit 1922 (also vor etwa 90 Jahren) gab es einen Lehrstuhl für Fernmeldetechnik, 1935 folgte ein Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik. Wie an anderen Hochschulen auch, waren die Gebiete Telegraphie und Telephonie eher historisch orientiert, die Energietechnik hatte ein deutliches Übergewicht und galt daher häufig, aber fälschlich, als das historisch ältere Gebiet.

Prof. Dr. Rudolf Franke (Erster Ordinarius für Fernmeldetechnik (1922 - 1935))

Dr. phil. Rudolf Franke, Mitglied des Vorstands von Mix und Genest, Berlin, war seit 1907 Privatdozent an der TH Berlin für das Lehrgebiet Instrumente- und Apparatebau. Er war vorher (seit 1898) Privatdozent an der TH Hannover für das Lehrgebiet Elektrische Kraftübertragung und Wechselstrommaschinen gewesen. Franke legte 1909 eine auch vom Verein Deutscher Elektrotechniker (VDE) unterstützte Denkschrift, "betr. die Errichtung eines Lehrplans für Schwachstromtechnik an einer Technischen Hochschule" vor, in der er auf die Benachteiligung dieser Schwachstromtechnik hinwies.


Dr. Franke wurde 1910 Dozent für "Elektrische Schwachstromanlagen" an der TH Berlin, im gleichen Jahr wurde ihm der Titel Professor verliehen. 1912 entstand die Dozentur Elektrische Fernmeldetechnik durch Zusammenlegung der Dozenturen von K. Strecker (Elektrotelegraphie) und R. Franke (Elektrische Schwachstromanlagen). Die Professur wurde aber im gleichen Jahr vom Preußischen Landtag nicht bewilligt, erst 1921 wurde Franke außerplanmäßiger Professor und am 9. November 1922 schließlich ordentlicher Professor. Nach dem ersten Weltkrieg waren mehr als die Hälfte aller Elektrotechnik-Studenten an der TH Berlin Studierende der Fernmeldetechnik, der Nachwuchs der Reichspost für die 1922 neu geschaffene Laufbahn des höheren fernmeldetechnischen Dienstes setzte sich im wesentlichen aus Franke-Schülern zusammen.

Prof. Karl Küpfmüller (Lehrstuhlvertretung für Fernmeldetechnik (1935 - 1937))

Karl Küpfmüller war von 1928 - 1935 o. Professor für Allgemeine und Theoretische Elektrotechnik an der TH Danzig und wurde 1935 als Nachfolger von Geheimrat Ernst Orlich auf die gleichnamige Professor an der TH Berlin berufen worden. Er hatte hier gleichzeitig die Vertretung für den verwaisten Lehrstuhl für Fernmeldetechnik zu übernehmen. Dabei wurde gleichzeitig ein Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik ausgegliedert, dessen erster Ordinarius Heinrich Fassbender wurde. 1937 verließ Küpfmüller die TH Berlin, um (bis 1945) Direktor der Zentralen Entwicklungsabteilung bei Siemens & Halske, Berlin, zu werden. Er blieb der TH aber von 1937 bis 1943 über eine Honorarprofessor verbunden, in dieser Zeit entstand sein Buch über Systemtheorie.

Dr.-Ing. Wilhelm Stäblein (Zweiter Ordinarius für Fernmeldetechnik (1936 - 1945))

1936 wird Dr.-Ing. Wilhelm Stäblein zweiter Ordinarius für Fernmeldetechnik. Er war zuletzt Leiter der Abteilung für Fernwirkanlagen und EW-Telephonie der AEG, Berlin, gewesen. Er wurde mit Wirkung zum zum 1.10.1936 zum ordentlichen Professor für das Lehrgebiet "Anlagen der Fernmeldetechnik" berufen, ein Jahr später folgt eine Umbenennung in das Lehrgebiet "Fernsprech- und Telegrafentechnik" mit Labor für Fernmeldetechnik.

Unter Stäblein wurden neue Forschungsaufgaben begonnen.

Dr. Stäblein hatte zwei Assistenten, die wichtige Beiträge zur Nachrichten- und Informationstechnik geliefert haben:

Dr.-Ing. Herbert Raabe leitete erstmalig das Abtasttheorem in nachrichtentechnischem Zusammenhang her.  Mit seiner Dissertation Untersuchungen an der wechselseitigen Multiplexübertragung legt Raabe erstmals eine Darstellung des Abtasttheorems in der Nachrichtentechnik vor [siehe: H.D. Lüke : Herbert P. Raabe, der "Vater" des Abtasttheorems. In: ntz 1989]. Die Arbeit wurde zeitgleich in der Zeitschrift Elektrische Nachrichtentechnik 16, 1939, S: 213 - 228 veröffentlicht.
Die Arbeit wird 1941 von Bennett in einer Arbeit zitiert, auf die sich später Shannon bezieht [siehe dazu: H.G. Lüke: Zur Entstehung des Abtasttheorems, ntz, Bd. 31 (1978), S. 271 - 273.]

Dr.-Ing. Helmut Schreyer war mit Konrad Zuse befreundet und hatte ihn bereits 1937 dazu angeregt, statt Telefonrelais elektronische Röhrenschaltungen zu verwenden. Zuse und Schreyer stellten bereits 1938 einem kleinen Kreis von Mitarbeitern des Instituts für Fernmeldetechnik ihren Plan eines elektronischen Rechners vor. Herr Schreyer war vermutlich weltweit der erste, der die Idee, einen elektronischen Rechner zu bauen, systematisch verfolgte (siehe Webseite Zuse über Schreyer).. Dr. Stäblein starb im Februar 1945 bei einem Luftangriff auf Nürnberg, wo er sich mit Kollegen aufhielt, um Teile seines Instituts und der von ihm betreuten Abteilung am Institut für Schwingungsforschung auszulagern.

Prof. Dr. phil. G. Leithäuser [Lehrstuhlvertretung für Fernmeldetechnik (1946-1950)]

Die TH Berlin wurde 1946, also nach Kriegsende, als Technische Universität Berlin neugegründet. Der Lehrstuhl für Fernmeldetechnik wurde bis zur Berufung von Dr. Rothert im 1.5.1950 von Prof. Leithäuser, Ordinarius für Hochfrequenztechnik, mitbetreut. Die Vorlesungen wurden von dem Oberingenieur Dr. Phil. Deutschmann gehalten. Dr. G. Rothert von der Siemens AG hatte seit dem SS 1946 einen Lehrauftrag "Fernsprechanlagen mit Wählerbetrieb" inne.

 

 

 

 

Geschichte der Nachrichtentechnik an der TH/TU Berlin

In den folgenden Aufsätzen und Biographien beschreiben wir die Entstehungsgeschichte der nachrichtentechnischen Lehre und Forschung an der Technischen Hochschule Berlin (TH, 1879 bis 1945) bzw. an der Nachfolgeinstitution, der Technischen Universität Berlin (TU, ab 1946).


Eine Übersicht liefert (mit Stand aus dem Jahr 1999) der Aufsatz

Nachrichtentechnik an der TH/TU Berlin

Eine ausführlichere Teildarstellung zum Fachgebiet Fernmeldetechnik ist im Aufbau (siehe folgende Seiten). Die Fernmeldetechnik entwickelte sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts aus den Anwendungsbereichen Telegraphie und Funkentelegraphie. Auch die Bezeichnung Fernmeldetechnik wurde hier 1912 von Prof. Dr. Rudolf Franke eingeführt, 1922 wurde er als erster Ordinarius berufen.

Hochfrequenztechnik an der TH/TU Berlin

Im frühen zwanzigsten Jahrhundert entwickelte sich zusätzlich das Fachgebiet Hochfrequenztechnik, der erste Ordinarius, Prof. Dr. Faßbender, wurde 1935 berufen.

Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung (HHI) Berlin

1928 wurde das Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung (HHI) gegründet, sein Direktor und seine Abteilungsleiter waren gleichzeitig Professoren an der TH/TU Berlin. Die Verflechtungen zwischen dem HHI und der TH /TU Berlin werden in einer Übersicht kurz dargestellt.

Benachbarte Fachgebiete

Zu dem Umfeld der genannten nachrichtentechnischen Felder gehören die Technische Akustik, die Kommunikationstechnik, die Bildverarbeitung, etc. Diese Gebiete werden dann aufgeführt, wenn sie insbesondere als Wahlfächer in elektrotechnischen Studiengängen angeboten wurden.

Das Copyright (c) der hier veröffentlichten Texte liegt bei Prof. Dr.-Ing. Peter Noll. Vielen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung.

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