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TU Berlin

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K. Zuse über Helmut Schreyer

Auszüge aus einem Interview mit K. Zuse, Siemens-Zeitschrift 3/89

Über Lochstreifen bei der Z3:

....5-Kanal-Lochstreifen ...konnte ich während des Krieges nicht bekommen. Ich half mir mit selbstgebauten Loch- und Lesegeräten und benutzte wie schon bei der Z1 normale Filmstreifen, eine Idee meines Mitarbeiters Helmut Schreyer. Gelocht wurden sie mit einem einfachen Handlocher.

Über elektronische Rechenmaschinen:
Aber bereits während der Arbeit an den mechanischen Modellen nahm die Idee der elektronischen Rechenmaschine Gestalt an. Schon 1937 beim ersten Besuch in meiner Werkstatt äußerte Helmut Schreyer spontan: "Das mußt Du mit Röhren machen." Ich hielt das damals, ehrlich gesagt, für eine seiner vielen Schnapsideen. Mit Röhren baute man Radioapparate - aber Rechenmaschinen? Andererseits, warum eigentlich nicht ? Helmut Schreyers vermeintliche Schnapsidee sollte sich als eine der fruchtbarsten der gesamten Computerentwicklung erweisen. .... Schreyer ... hatte auf diesem Gebiet große Erfahrung. Die Idee, Röhren für Rechenmaschinen zu verwenden, war etwa zur gleichen Zeit auch bei den Amerikanern aufgetaucht; aber davon wußten wir beide nichts. Vielleicht war Helmut Schreyer der erste, der sie wirklich systematisch verfolgte. Man brauchte nur die Grundschaltung in Röhrentechnik für die drei Grundoperationen Konjunktion, Disjunktion und Negation zu finden... Wir brauchten ....den Entwurf nur in abstrakter Schaltgliedtechnik auszuführen. Unabhängig davon konnten die logischen Grundschaltungen entwickelt werden. Das gab eine gute Arbeitsteilung. Schreyer war mit Begeisterung dabei und fand nach kurzer Zeit Lösungen für das Problem. Er schrieb an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg seine Doktorarbeit zu diesem Thema. An seinen Entwürfen ist bemerkenswert, daß er noch mit Glimmlampen arbeitete...... Dier Aussicht, die Geschwindigkeit von Rechenmaschinen auf diese Weise zu vertausendfachen, erschien uns damals märchenhaft. Schreyer erfand eine geschickte Kombination von Röhren und Glimmlampen, wobei die Röhren die Funktion der Wicklung eines elektromechanischen Relais und die Glimmlampen die Funktion der Kontakte übernahmen.

Resonanz dieser Ideen
Als wir 1938 im kleinen Kreise der Technischen Hochschule eine Versuchsschaltung vorführten und dabei auch das Problem der elektronischen Rechenmaschine vortrugen, war die Reaktion bei unseren Zuhörern enttäuschend. Als wir erklärten, wir würden etwa 2000 Röhren und einige tausend Glimmlampen brauchen, ..., reagierte man mit Kopfschütteln. Das war Phantasterei. Die größten elektronischen Geräte waren damals Sendeanlagen mit einigen hundert Röhren. Nur Professor Stäblein erkannte die neuen Möglichkeiten, und so konnte Schreyer weiter an dem Problem arbeiten.... Das Erlebnis an der Technischen Hochschule aber war uns eine Lehre. Von da an hielten wir uns zurück mit Angaben über die Geschwindigkeiten, die elektronische Rechner einmal würden erreichen können.

Auszüge aus einem Vortrag von K. Zuse, Bericht Nr. 143 der GMD, 1983
Im zertrümmerten Nachkriegsdeutschland sah Schreyer keine ausreichenden Möglichkeiten mehr für seine berufliche Zukunft und ging 1949 nach Brasilien..... Heute wissen wir, daß seine Arbeiten in mancher Hinsicht denen der Amerikaner voraus waren. © P. Noll / TU Berlin / 02.06.2001

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